Aktienanalyse | Stand 29. Mai 2026

SpaceX vor dem IPO: Wie viel Zukunft steckt schon im Preis?

Bei einem erwarteten IPO-Preis von 135 Dollar wird bereits eine Zukunft bezahlt, in der Starlink, Starship, xAI und orbitales Computing fast gleichzeitig funktionieren müssen.

Simon StarkVeröffentlicht 29. Mai 2026ca. 7 Min. Lesezeit

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Starkes Unternehmen, hoher Preis

135 Dollar sind für mich kein fairer Einstiegspreis. Auf Basis der erwarteten Bewertung von rund 1,75 Billionen Dollar zahlt man ungefähr das 94-Fache des Umsatzes von 2025, obwohl SpaceX operativ und unter dem Strich Verluste schreibt. Der Markt bewertet das Unternehmen so, als würden die nächsten zehn Jahre ohne größere Enttäuschungen verlaufen.

Meine Einordnung SpaceX kann langfristig riesig werden. Trotzdem ist der IPO-Preis so hoch, dass bereits kleinere Enttäuschungen bei Wachstum, Margen oder Kapitalbedarf einen massiven Kursverlust auslösen können.
Erwarteter IPO-Preis135 $
2025 Umsatz18,7 Mrd. $
2025 Nettoverlust4,9 Mrd. $
Q1 2026 Nettoverlust4,3 Mrd. $

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Starlink verdient Geld, xAI verbrennt es schneller

2025 erzielte SpaceX 18,674 Milliarden Dollar Umsatz. Das Connectivity-Segment rund um Starlink lieferte davon 11,387 Milliarden Dollar und 4,423 Milliarden Dollar operativen Gewinn. Starlink ist damit der profitablere Teil des Geschäfts.

Das AI-Segment erzielte 3,201 Milliarden Dollar Umsatz, verursachte aber 6,355 Milliarden Dollar operativen Verlust. Insgesamt verlor SpaceX 2025 operativ 2,589 Milliarden Dollar und netto 4,937 Milliarden Dollar. Im ersten Quartal 2026 kamen bei 4,694 Milliarden Dollar Umsatz weitere 4,276 Milliarden Dollar Nettoverlust hinzu. Gleichzeitig lagen die Investitionen allein in diesem Quartal bei 10,107 Milliarden Dollar.

SpaceX finanziert gleichzeitig Starship, neue Satelliten, Rechenzentren, GPUs und xAI. Der Umsatz allein beschreibt diese Kapitalbindung und die Verluste nicht.

SpaceX DCF Dashboard mit IPO-Preis von 135 Dollar und Base-Case-Fair-Value von 28,63 Dollar
Mein DCF-Dashboard zum Bewertungsstichtag 29.05.2026. Der Base Case liegt trotz optimistischer Wachstumsannahmen deutlich unter dem Preisanker.

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Im Base Case komme ich auf 28,63 Dollar

Für die Bewertung habe ich mein eigenes DCF-Tool verwendet. Selbst mein Base Case ist nicht vorsichtig. Ich rechne über fünf Jahre mit durchschnittlich 28,4 Prozent Umsatzwachstum, einer EBIT-Marge von 40 Prozent im Jahr 2030 und einer ewigen Wachstumsrate von 4,5 Prozent. Das sind bereits sehr optimistische Annahmen.

Trotzdem liegt der faire Wert nur bei 28,63 Dollar je Aktie. Gegenüber 135 Dollar entspricht das einem möglichen Rückgang von rund 78,8 Prozent. Im Bear Case fällt der Wert auf 2,58 Dollar. Erst mein extrem optimistischer Bull Case kommt auf 228,89 Dollar.

Bear Case2,58 $etwa 98,1 % unter 135 $
Base Case28,63 $etwa 78,8 % unter 135 $
Bull Case228,89 $etwa 69,5 % über 135 $

Der Bull Case braucht durchschnittlich 50 Prozent Umsatzwachstum, stark steigende Margen und eine sehr hohe Terminal Growth Rate. Das kann passieren, aber es ist kein Ergebnis, auf das ich einen normalen Einstiegspreis stützen würde.

Bear-, Base- und Bull-Case der SpaceX Bewertung
Bear, Base und Bull direkt aus der SpaceX-Bewertungsdatei vom 29.05.2026.

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Mehrere Annahmen müssen gleichzeitig eintreffen

New Constructs kommt mit einer Reverse-DCF-Analyse zu einem ähnlichen Problem. Selbst bei 34 Prozent Umsatzwachstum pro Jahr bis 2035 und einer sofortigen NOPAT-Marge von 19 Prozent läge der Unternehmenswert laut dieser Analyse nur bei etwa 500 Milliarden Dollar. Das wären rund 71 Prozent weniger als die erwarteten 1,75 Billionen Dollar.

Starship ist der zentrale Engpass

Viele Zukunftspläne hängen von hoher Startfrequenz, voller Wiederverwendbarkeit und deutlich niedrigeren Kosten ab. Verzögerungen treffen Starlink, Mondprojekte und orbitales Computing gleichzeitig.

xAI erhöht den Kapitalbedarf

Das AI-Segment verliert Milliarden und konkurriert mit Unternehmen, die bereits große Kundenbeziehungen und enorme Rechenkapazitäten besitzen.

Verwässerung

Aktienbasierte Vergütung, neue Kapitalrunden und leistungsabhängige Aktienpakete können den Anteil heutiger Aktionäre deutlich verwässern.

Kontrolle bleibt bei Musk

Durch die Stimmrechtsstruktur kontrolliert Musk rund 85 Prozent der Stimmen. Käufer der öffentlichen Aktien tragen das wirtschaftliche Risiko, haben aber kaum Einfluss.

Kundenkonzentration

Ein einzelner Kunde stand 2025 für 21 Prozent des Umsatzes. Staatliche Verträge sind wertvoll, können aber politisch gekürzt, verzögert oder beendet werden.

Bilanz und interne Kontrollen

Die S-1 nennt hohe Schulden, steigende Investitionen und noch nicht vollständig etablierte Kontrollen für die Berichterstattung. Bei dieser Bewertung bleibt wenig Platz für Fehler.


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Die geringe Zahl frei handelbarer Aktien wirkt nur vorübergehend

Zum Start sollen nur vergleichsweise wenige Aktien frei handelbar sein. Das kann den Kurs kurzfristig stützen, weil sehr viel Nachfrage auf wenig Angebot trifft. Mit weiteren Freigaben kann sich dieser Effekt umkehren. SpaceX nutzt keine einfache Sperrfrist, bei der alles erst nach 180 Tagen freigegeben wird.

Nach Q2-Zahlen

Bis zu 20 Prozent der berechtigten Insider-Aktien dürfen kurz nach dem ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen verkauft werden.

Preis-Klausel

Weitere 10 Prozent können früher freigegeben werden, wenn die Aktie deutlich über dem IPO-Preis notiert. Damit kann ausgerechnet ein starker Kurs zusätzliche Verkäufer anlocken.

Bis Tag 180

Weitere Tranchen werden schrittweise frei. Spätestens nach 180 Tagen endet für den normalen Block die Sperre.

Elon Musk

Musk selbst unterliegt einer längeren Sperrfrist von 366 Tagen. Das schützt aber nicht vor Verkäufen durch Mitarbeiter, frühe Investoren und andere Insider.

Niemand muss nach einer Freigabe verkaufen. Trotzdem halte ich Verkaufsdruck für realistisch. Viele Mitarbeiter und frühe Investoren halten ihre Anteile seit Jahren und werden zumindest einen Teil ihres Vermögens liquidieren wollen. Für den späteren Kurs zählt daher neben der Zahl der IPO-Käufer auch, wie viele neue Aktien in den Monaten danach auf diese Käufer treffen.


Rechne die Annahmen selbst nach

Die vollständige SpaceX-Bewertung enthält Bear, Base und Bull Case, WACC, DCF, Sensitivität, Monte Carlo und Peer-Multiples. Wenn du andere Wachstumsraten oder Margen für realistischer hältst, kannst du die blauen Eingabefelder direkt verändern.


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Verwendete Quellen

Hinweis: Am 29.05.2026 war der finale IPO-Preis noch nicht offiziell festgesetzt. Für das Modell verwende ich 135 Dollar als erwarteten Preisanker, passend zur damals berichteten Zielbewertung von rund 1,75 Billionen Dollar. Das ist keine Anlageberatung, sondern meine persönliche Modellrechnung auf Basis der zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Daten.