Unternehmensbewertung

Unternehmenswert berechnen:
Wie der WACC
den Wert beeinflusst

Der Abzinsungssatz beeinflusst den DCF-Unternehmenswert stark. Hier geht es um den WACC, seine Bestandteile und die Wirkung kleiner Änderungen.

Simon Stark | Veröffentlicht 29. Juni 2026 | ca. 6 Min. Lesezeit

01

Was der WACC überhaupt ist

Der WACC (Weighted Average Cost of Capital, gewichteter durchschnittlicher Kapitalkostensatz) gibt an, welche Rendite ein Unternehmen mindestens erwirtschaften muss, um sowohl seine Eigenkapitalgeber als auch seine Fremdkapitalgeber angemessen zu entlohnen. In der DCF-Bewertung wird er als Abzinsungssatz verwendet, mit dem zukünftige Cashflows auf ihren heutigen Wert reduziert werden.


02

Zusammensetzung aus Eigen- und Fremdkapital

WACC = (E/V) × rE + (D/V) × rD × (1 − t) E = Marktwert Eigenkapital | D = Marktwert Fremdkapital | V = E + D | r_E = Eigenkapitalkosten | r_D = Fremdkapitalkosten | t = Steuersatz

Die Eigenkapitalkosten (rE) werden meist über das CAPM (Capital Asset Pricing Model) geschätzt, auf Basis von risikofreiem Zinssatz, Marktrisikoprämie und Beta. Die Fremdkapitalkosten (rD) ergeben sich aus dem tatsächlichen Zinssatz der Verbindlichkeiten, reduziert um den steuerlichen Effekt, weil Zinsen steuerlich absetzbar sind.


03

Schon kleine Änderungen wirken

Da der WACC in der Diskontierungsformel im Nenner steht und über mehrere Jahre potenziert wird, wirkt sich schon eine Änderung von einem Prozentpunkt spürbar auf den errechneten Unternehmenswert aus, besonders bei langen Prognosezeiträumen oder einem hohen Anteil des Terminal Value am Gesamtwert. Eine Sensitivitätsanalyse mit mehreren WACC-Werten zeigt, wie stark das Ergebnis davon abhängt.

Wie der WACC konkret in eine vollständige Unternehmensbewertung mit Forecast und Terminal Value einfließt, zeigt das Rechenbeispiel im Artikel Discounted Cashflow Beispiel: Vom Forecast zum Terminal Value.


Warum das CAPM nur eine Schätzung liefert

Die Eigenkapitalkosten sind nicht einfach der Zinssatz, den du in einem Vertrag findest. Aktionäre erwarten eine Rendite dafür, dass sie das Risiko des Unternehmens tragen. Im CAPM wird diese erwartete Rendite aus einem risikofreien Zinssatz, einer Marktrisikoprämie und dem Beta des Unternehmens zusammengesetzt.

rE = risikofreier Zinssatz + Beta × Marktrisikoprämie Das Beta beschreibt, wie stark das Unternehmen historisch auf Bewegungen des Gesamtmarkts reagiert hat.

Bei einem stabilen, gut vergleichbaren Unternehmen kann diese Näherung sinnvoll sein. Bei einem jungen Unternehmen, einem Segmentwechsel oder wenigen brauchbaren Vergleichsunternehmen wird sie unsicherer. Dann solltest du nicht so tun, als wäre der Wert von rE eine objektiv gemessene Zahl.


WACC einmal mit Zahlen durchgerechnet

Angenommen, der Marktwert des Eigenkapitals beträgt 80 % der Finanzierung und der Marktwert des Fremdkapitals 20 %. Für das Eigenkapital nimmst du 10 % Kosten an, für das Fremdkapital 5 %. Der angenommene Steuersatz im Modell beträgt 30 %. Dann sieht die Rechnung so aus:

WACC = 0,8 × 10 % + 0,2 × 5 % × (1 − 30 %) = 8,7 % Eigenkapitalanteil + nach Steuern gewichteter Fremdkapitalanteil

Das Ergebnis von 8,7 % ist der Satz, mit dem die freien Cashflows im DCF-Modell abgezinst werden. Wenn sich die Kapitalstruktur oder die erwartete Rendite der Eigenkapitalgeber verändert, verändert sich auch der WACC. Du kannst den Satz deshalb nicht unabhängig vom Unternehmen und seiner Finanzierung wählen.


Der WACC muss zum Cashflow passen

Der häufigste Denkfehler ist, einen WACC einfach in jede DCF-Rechnung einzusetzen. Bewertest du den freien Cashflow des gesamten Unternehmens, passt dazu ein WACC, der Eigen- und Fremdkapital berücksichtigt. Bewertest du nur den Cashflow für die Aktionäre, brauchst du einen passenden Eigenkapitalkostensatz. Cashflow und Diskontierungssatz müssen dieselbe Ebene beschreiben.

Nach dem DCF erhältst du bei der Unternehmensvariante zunächst den Enterprise Value. Um zum Eigenkapitalwert zu kommen, werden verzinsliche Schulden abgezogen und überschüssige Liquidität addiert. Bei einer Aktie kommen danach ausstehende Aktien, Optionen und mögliche Verwässerung ins Spiel.

Merksatz: Ein niedriger WACC macht den heutigen Wert höher. Das ist keine kostenlose Verbesserung des Geschäfts, sondern eine andere Annahme über Risiko und Kapitalkosten.

Vier Dinge, die das Ergebnis schnell verzerren

  • Falsche Gewichte: Für E und D sollten Marktwerte verwendet werden, nicht blind die alten Buchwerte aus der Bilanz.
  • Unpassendes Beta: Ein historisches Beta kann bei einem stark veränderten Geschäftsmodell die Zukunft schlecht beschreiben.
  • Steuereffekt doppelt verwenden: Der Steuervorteil des Fremdkapitals darf nicht zusätzlich an einer anderen Stelle unbemerkt noch einmal eingerechnet werden.
  • WACC und Wachstum vermischen: Ein höheres langfristiges Wachstum sollte nicht nur dadurch entstehen, dass der Diskontierungssatz kleiner gewählt wird.

Deshalb gehört zum WACC immer eine Sensitivitätsanalyse. Rechne nicht nur mit 8,7 %, sondern zeige auch, wie sich der Wert bei einem höheren und einem niedrigeren Satz verändert. Dann wird sichtbar, ob die Bewertung auf dem Geschäft oder fast nur auf dem gewählten WACC steht.


Warum ein WACC nicht für jedes Unternehmen gleich ist

Ein Softwareunternehmen mit wiederkehrenden Umsätzen, ein zyklischer Hersteller und ein hoch verschuldetes Immobilienunternehmen tragen nicht dasselbe Risiko. Selbst wenn der aktuelle Zinssatz gleich wäre, können die erwarteten Eigenkapitalkosten und die passende Kapitalstruktur stark voneinander abweichen.

Bei Vergleichsunternehmen wird deshalb häufig geprüft, wie sich Beta und Verschuldung unterscheiden. Ein Unternehmen mit mehr Fremdkapital kann ein anderes beobachtetes Beta haben, obwohl das operative Geschäft ähnlich ist. Die Kapitalstruktur muss dann gedanklich angepasst werden, bevor die Vergleichswerte in das Modell einfließen.

Für ein persönliches Modell musst du nicht jede akademische Feinheit nachbauen. Du solltest aber dokumentieren, warum dein WACC zum Geschäft, zum Land, zur Verschuldung und zum verwendeten Cashflow passt.


DCF-Tool mit integriertem WACC-Rechner

Eigenkapital- und Fremdkapitalkosten eingeben und den WACC direkt im Excel-Modell berechnen lassen.

Zum DCF-Tool

Weiterlesen

Verwandte Artikel