Einsatzgröße & Risiko
Bevor du die Einsatzgröße festlegst, prüfst du, ob ein Vorteil besteht. Das lässt sich mit wenigen Berechnungen objektiv prüfen.
Definition
Ein echter Vorteil, oft „Value" genannt, entsteht dann, wenn deine eigene Einschätzung der Gewinnwahrscheinlichkeit höher ist als die Wahrscheinlichkeit, die in der angebotenen Quote oder dem Preis bereits eingepreist ist. Ohne diese Abweichung gibt es rein rechnerisch keinen Grund, überhaupt einzusteigen, egal wie „sicher" sich eine Gelegenheit anfühlt.
Berechnung
Jede Quote lässt sich in eine Wahrscheinlichkeit umrechnen. Bei einer Dezimalquote ergibt sich die implizite Wahrscheinlichkeit so:
Schätzt du die tatsächliche Wahrscheinlichkeit höher ein als diese 40 %, zum Beispiel bei 48 %, hast du einen rechnerischen Vorteil gefunden. Er besteht unabhängig davon, wie diese einzelne Gelegenheit ausgeht.
Erwartungswert
Ein einzelner Gewinn belegt keinen Vorteil, und ein einzelner Verlust widerlegt ihn nicht. Entscheidend ist der Erwartungswert: die durchschnittliche Auszahlung, wenn du dieselbe Gelegenheit sehr oft wiederholen würdest. Ein positiver Erwartungswert bedeutet langfristigen Vorteil, auch wenn einzelne Versuche danebengehen.
Dokumentiere deshalb die eigene Trefferquote über viele Gelegenheiten hinweg, statt nach einzelnen Ergebnissen zu urteilen.
Nächster Schritt
Ein bestätigter Vorteil sagt noch nicht, wie viel du einsetzen solltest. Das behandelt der Artikel Wie viel solltest du einsetzen, wenn du einen Vorteil hast? zusammen mit der Formel des Kelly-Kriteriums.
Quote und Marge
Bei einer einzelnen Dezimalquote ist die Rechnung schnell gemacht. Bei mehreren möglichen Ausgängen reicht die einzelne Umrechnung aber nicht immer aus. Addierst du die impliziten Wahrscheinlichkeiten aller angebotenen Quoten, liegst du bei einem Anbieter häufig über 100 %. Dieser Aufschlag ist die eingebaute Marge. Er zeigt, dass der Marktpreis nicht automatisch die faire Wahrscheinlichkeit darstellt.
Für deine eigene Prüfung bedeutet das: Vergleiche deine Einschätzung nicht blind mit einer gerundeten Prozentzahl. Frage zuerst, ob du die Marktquote um die Marge bereinigen musst und welche Gebühren oder Provisionen im Preis stecken.
Erwartungswert
Eine Quote von 2,50 entspricht einem Nettogewinn von 1,50 € je eingesetztem Euro, wenn der Ausgang gewinnt. Schätzt du die Gewinnwahrscheinlichkeit auf 48 %, ergibt sich der erwartete Gewinn so:
Der Wert von 0,20 € ist kein Versprechen für den nächsten Versuch. Du kannst trotzdem verlieren. Er beantwortet eine andere Frage: Was würde im Durchschnitt passieren, wenn du viele vergleichbare Gelegenheiten mit derselben Einschätzung und derselben Quote wiederholen könntest?
Bei mehreren Ausgängen muss die Rechnung alle möglichen Ergebnisse enthalten. Bei einem Investment können das Kursgewinn, Kursverlust, Dividende, Gebühren und ein unterschiedlicher Verkaufszeitpunkt sein. Die Idee bleibt dieselbe: Jede Möglichkeit bekommt eine Wahrscheinlichkeit und einen finanziellen Ausgang.
Dokumentation
Die größte Unsicherheit sitzt nicht in der Formel, sondern in deiner eigenen Wahrscheinlichkeit. Wenn du 48 % schätzt, sollte klar sein, warum. Welche Daten verwendest du? Welche Fälle vergleichst du? Was würde deine Einschätzung widerlegen? Ohne diese Fragen kann eine Prozentzahl nur ein gut aussehendes Bauchgefühl sein.
Unsicherheit
Wenn deine beste Schätzung 48 % lautet, heißt das nicht, dass die echte Wahrscheinlichkeit exakt 48 % beträgt. Vielleicht liegt sie bei 45 %, vielleicht bei 51 %. Diese Unsicherheit muss in die Entscheidung hinein. Rechne eine vorsichtige Variante, in der deine Einschätzung etwas niedriger ist, und eine bessere Variante daneben.
Im Beispiel mit Quote 2,50 liegt der Break-even bei 40 %, bevor Kosten berücksichtigt werden. Bei einer Einschätzung von 48 % ist Abstand vorhanden. Bei 41 % wäre der Vorteil viel kleiner. Wenn Gebühren, Steuern oder eine fehlerhafte Preisannahme hinzukommen, kann der kleine Abstand vollständig verschwinden.
Je kleiner dieser Abstand ist, desto genauer müssen Daten und Ausführung sein. Ein großer behaupteter Vorteil ohne nachvollziehbare Methode ist dagegen kein Grund, mehr Vertrauen zu haben.
Gewinnwahrscheinlichkeit und Gewinnverhältnis eingeben und die optimale Einsatzgröße direkt berechnen lassen.
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