Einsatzgröße & Risiko
Einen echten Vorteil zu haben reicht nicht. Die Einsatzgröße entscheidet darüber, ob dieser Vorteil sich langfristig auszahlt, oder ob du trotzdem pleitegehst.
Das Grundproblem
Bei einem Trade, einer Wette oder einer Investition mit positivem Erwartungswert entscheidet vor allem die Einsatzhöhe.
Die passende Einsatzgröße lässt sich berechnen.
Verbreitete Ansätze
Viele setzen intuitiv immer denselben festen Betrag ein, unabhängig davon, wie groß der eigene Vorteil bei einer bestimmten Gelegenheit gerade ist. Das ist einfach, aber mathematisch nicht optimal: Bei einer besonders guten Gelegenheit wird zu wenig eingesetzt, bei einer knappen zu viel.
Der andere Extremfall, „alles auf eine Gelegenheit setzen", weil sie besonders gut aussieht, ist noch riskanter: Ein einziger ungünstiger Verlauf kann das gesamte Kapital auslöschen, egal wie gut der statistische Vorteil eigentlich war.
Der mathematische Mittelweg
Die Einsatzgröße lässt sich direkt an die Größe des eigenen Vorteils koppeln: Je größer die Gewinnwahrscheinlichkeit und je besser das Gewinnverhältnis, desto größer der sinnvolle Einsatz. Genau das berechnet das Kelly-Kriterium, das ich in einem eigenen Artikel mit Formel und Rechenbeispiel erkläre.
In der Praxis setzen viele nur einen Bruchteil des berechneten Anteils ein, zum Beispiel die Hälfte. Das reduziert die kurzfristigen Schwankungen bei nur leicht geringerem langfristigem Wachstum.
In der Praxis
Beantworte für jede Gelegenheit drei Fragen: Wie hoch ist meine Gewinnwahrscheinlichkeit realistisch? Wie sieht das Gewinnverhältnis aus? Und wie viel meines Kapitals bin ich bereit, kurzfristig schwanken zu lassen? Mit diesen drei Werten lässt sich die optimale Einsatzgröße berechnen.
Rechenbeispiel
Angenommen, du schätzt die Gewinnwahrscheinlichkeit auf 55 % und das Gewinnverhältnis auf 1,2. Das Kelly-Kriterium kommt dann auf 22,5 % des verfügbaren Kapitals. Bei einem Kapital von 10.000 € wären das 2.250 €. Bei halbem Kelly sinkt der Einsatz auf 1.125 €.
Der kleinere Einsatz bedeutet nicht, dass der Vorteil verschwindet. Du akzeptierst nur, dass deine Schätzung falsch sein kann und dass kurzfristige Verluste nicht dein gesamtes weiteres Handeln bestimmen sollen. Diese Entscheidung ist besonders relevant, wenn du noch keine lange Datenreihe zu deiner eigenen Trefferquote hast.
Verlustserie
Auch bei einer positiven Gewinnerwartung können mehrere Verluste direkt nacheinander auftreten. Wenn du nach jedem Verlust denselben Prozentsatz deines aktuellen Kapitals einsetzt, sinkt der Eurobetrag automatisch mit. Bei festen Eurobeträgen passiert das nicht. Dann wird der nächste Einsatz im Verhältnis zum Restkapital immer größer.
Ein Verlust von 20 % braucht anschließend 25 % Gewinn, um wieder auf den Ausgangswert zu kommen. Ein Verlust von 50 % braucht 100 % Gewinn. Diese einfache Rechnung zeigt, warum die Einsatzgröße nicht nur das Wachstum, sondern auch die Überlebensfähigkeit des Plans bestimmt.
Vor dem Einsatz
Die Formel sagt dir, welcher Anteil unter ihren Annahmen langfristig sinnvoll sein kann. Sie kennt aber weder deine Miete noch deine Notfallreserve noch die Tatsache, dass mehrere Positionen gleichzeitig ausfallen können. Deshalb braucht die mathematische Einsatzgröße zusätzliche Grenzen.
Danach kannst du Kelly oder einen festen Bruchteil davon als Orientierung verwenden. Die beste Zahl ist nicht die mathematisch höchste, sondern die, mit der du deinen Plan auch nach einem schlechten Monat noch sauber weiterführen kannst.
Gewinnrate und Gewinnverhältnis eingeben und den passenden Einsatz direkt mit dem Kelly-Rechner ermitteln.
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