FIRE-Grundlagen

Pleiterisiko in der Rente:
Wie wahrscheinlich reicht
dein Geld nicht?

Die 4-Prozent-Regel beschreibt einen historischen Durchschnitt. Das tatsächliche Risiko in deinem Fall lässt sich mit einer Simulation berechnen.

Simon Stark | Veröffentlicht 08. Juni 2026 | ca. 7 Min. Lesezeit

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„Reicht im Schnitt" ist nicht dasselbe wie „reicht bei mir"

Die 4-Prozent-Regel basiert auf historischen Durchschnittswerten. Sie zeigt nicht, wie wahrscheinlich es ist, dass genau dein Portfolio mit deiner Entnahmerate, deinem Starttermin und deiner Aufteilung bis zum Lebensende reicht. Ein Durchschnittswert fasst alle möglichen Verläufe zu einer einzigen Zahl zusammen.


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Was ist Pleiterisiko?

Als Pleiterisiko (oder Ruin-Risiko) bezeichnet man die Wahrscheinlichkeit, dass ein Entnahmeplan das Kapital vor dem Lebensende komplett aufbraucht. Das Ergebnis ist eine Prozentzahl: Bei einer Erfolgsquote von 90 % wäre der Plan in 9 von 10 durchgespielten Szenarien erfolgreich gewesen, in einem Szenario nicht.

Mit dieser Kennzahl lassen sich verschiedene Pläne vergleichen. Die Aussage „die 4-Prozent-Regel hat historisch meistens funktioniert" bleibt dagegen pauschal.


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Die Reihenfolge der Renditen entscheidet

Zwei Portfolios mit identischer Durchschnittsrendite über 30 Jahre können völlig unterschiedlich enden, je nachdem, wann die guten und schlechten Jahre eintreten. Ein Börsencrash in den ersten drei bis fünf Jahren nach Renteneintritt ist deutlich gefährlicher als derselbe Crash am Ende der Entnahmephase, weil zu Beginn bereits laufend Geld entnommen wird und sich das Kapital von Verlusten kaum noch erholen kann. Man nennt das Sequence-of-Returns-Risiko.

Eine Durchschnittsrechnung erfasst dieses Risiko nicht.


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Tausende Marktverläufe durchspielen

Für eine realistische Einschätzung werden tausende unterschiedliche, zufällig erzeugte Renditeverläufe durchgerechnet, jeder mit einer eigenen Abfolge guter und schlechter Jahre. Diese Methode nennt sich Monte-Carlo-Simulation. Die Erfolgswahrscheinlichkeit ergibt sich daraus, in wie vielen dieser Verläufe das Kapital ausreicht.

Das Ergebnis ist eine konkrete Zahl statt eines vagen „sollte reichen".


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Wie mein FIRE-Rechner das berechnet

Mein FIRE-Rechner simuliert 10.000 mögliche Marktverläufe auf Basis deiner Eingaben zu Sparphase, Entnahmerate und deutschen Steuern und gibt dir eine Erfolgsquote aus. So kannst du das konkrete Risiko mit dem historischen Durchschnitt vergleichen.


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Wie du das Ergebnis liest

  • Über 95 % Erfolgsquote: Sehr solider Plan, in fast allen simulierten Verläufen hat das Kapital gereicht.
  • 90–95 %: Akzeptabel für die meisten, aber ein guter Anlass, Entnahmerate oder Sparphase noch einmal zu prüfen.
  • Unter 90 %: Der Plan ist in vielen simulierten Szenarien gescheitert. Prüfe, ob du länger sparen, die Entnahmerate senken oder die Ausgaben reduzieren kannst.

Eine feste Zielquote gibt es nicht. Sie hängt davon ab, wie viel Sicherheit dir persönlich wichtig ist. Die Zahl gibt dir dafür eine konkrete Grundlage statt einer pauschalen Faustregel.


Was in jedem einzelnen Szenario passiert

Ein Szenario startet mit deinen Eingaben. Daraus entstehen Jahr für Jahr Rendite, Inflation, Entnahme und der neue Depotstand. In einem guten Jahr wächst das Kapital vielleicht trotz Entnahme. In einem schlechten Jahr sinkt es. Der Ablauf wird so lange wiederholt, bis der geplante Zeitraum endet oder das Kapital aufgebraucht ist.

Am Ende wird jedes Szenario als erfolgreich oder gescheitert markiert. Wenn 9.200 von 10.000 Durchläufen erfolgreich sind, ergibt sich eine Erfolgsquote von 92 %. Das bedeutet nicht, dass dein Leben mit einer Wahrscheinlichkeit von genau 8 % scheitert. Es bedeutet, dass dein Plan unter den verwendeten Annahmen in 800 simulierten Verläufen nicht aufgegangen ist.

Erfolgsquote = erfolgreiche Szenarien / alle Szenarien × 100 9.200 / 10.000 × 100 = 92 % Erfolgsquote

Eine Simulation kann keine falschen Eingaben retten

10.000 Szenarien klingen nach sehr viel Genauigkeit. Die Zahl macht ein Modell aber nicht automatisch besser. Wenn deine Ausgaben zu niedrig angesetzt sind, die Steuern fehlen oder die Entnahmerate nicht zu deinem Portfolio passt, rechnet der Rechner nur einen falschen Plan sehr oft durch.

  • Ausgaben: Rechne Krankenversicherung, Miete, Rücklagen und unregelmäßige Ausgaben mit ein.
  • Inflation: Prüfe, ob deine Ausgaben im Modell mitwachsen oder ob du bewusst einen Teil flexibel hältst.
  • Rendite und Schwankung: Ein hoher Durchschnitt ohne realistische schlechte Jahre macht das Ergebnis zu freundlich.
  • Steuern und Gebühren: Sie senken die Beträge, die tatsächlich zur Entnahme zur Verfügung stehen.

Die Qualität der Eingaben ist deshalb wichtiger als die letzte Nachkommastelle der Erfolgsquote.


Aus einer schlechten Quote wird ein konkreter Plan

Eine niedrige Erfolgsquote ist kein Urteil über dich. Sie zeigt, dass die aktuelle Kombination aus Startkapital, Sparphase, Ausgaben und Entnahmerate häufig nicht reicht. Dann kannst du die Stellschrauben einzeln verändern und beobachten, welche Änderung den größten Effekt hat.

  • Länger sparen: Mehr Einzahlungen und ein kürzerer Entnahmezeitraum verbessern den Kapitalpuffer.
  • Weniger entnehmen: Eine kleinere Entnahmerate lässt dem Depot mehr Raum für schlechte Marktphasen.
  • Ausgaben flexibel machen: Grundausgaben und optionale Ausgaben müssen nicht gleich behandelt werden.
  • Zusätzliche Einnahmen: Nebenverdienst oder spätere Rente können die Entnahme in einzelnen Jahren reduzieren.
Wichtig: Schau nicht nur auf eine Zielquote. Vergleiche mehrere Varianten und prüfe, welche Änderung du im echten Leben auch durchhalten würdest.

Eine Simulation ist ein Modell, kein Blick in die Zukunft

Die Simulation erzeugt mögliche Verläufe aus den Verteilungen und Annahmen, die du vorgibst. Sie kennt keine politische Krise, keine persönliche Krankheit und keine Entscheidung, die du in Panik triffst. Auch historische Renditen wiederholen sich nicht nach einem festen Kalender. Die Erfolgsquote ist deshalb eine Orientierung unter Bedingungen, kein objektives Naturgesetz.

Das gilt auch für die Zufallszahl. Zwei Durchläufe mit derselben Eingabe können leicht unterschiedliche Quoten liefern, wenn die Szenarien neu gezogen werden. Bei 10.000 Durchläufen sollte die Zahl nicht völlig springen. Eine kleine Abweichung ist trotzdem normal und kein Zeichen dafür, dass eine Variante plötzlich sicher oder wertlos ist.

Aussagekräftig wird die Simulation vor allem im Vergleich. Wenn eine kleine Änderung bei Ausgaben, Entnahmerate oder Startalter die Erfolgsquote deutlich verändert, weißt du, wo dein Plan empfindlich ist.


Dein persönliches Pleiterisiko berechnen

Eingaben zu Sparphase und Entnahme machen und die eigene Erfolgswahrscheinlichkeit aus 10.000 simulierten Szenarien sehen.


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