FIRE-Grundlagen

Wie viel Geld brauche ich
für finanzielle Unabhängigkeit?

Deine FIRE-Zahl hängt von deinen Ausgaben, der Entnahmerate und den deutschen Rahmenbedingungen ab. In diesem Artikel zeige ich dir die Formel, mit der du sie grob berechnest, und erkläre ihre Grenzen.

Simon Stark | Veröffentlicht 15. Juli 2026 | ca. 7 Min. Lesezeit

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Was heißt „genug Geld" eigentlich?

Finanzielle Unabhängigkeit (FIRE, „Financial Independence, Retire Early") bedeutet: Dein angelegtes Vermögen wirft genug Ertrag ab, um deine Lebenshaltungskosten dauerhaft zu decken, ohne dass du noch arbeiten musst. Entscheidend sind deine jährlichen Ausgaben. Wer wenig ausgibt, braucht weniger Kapital, unabhängig vom Einkommen.

FIRE lässt sich mit zwei Variablen berechnen: deinen jährlichen Ausgaben und der Entnahmerate, also dem Anteil deines Vermögens, den du dir jedes Jahr auszahlen kannst, ohne dass es aufgebraucht wird.


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Ausgaben × 25 als Faustregel

Die gängigste Faustformel basiert auf einer Entnahmerate von 4 % pro Jahr. Mehr dazu steht im separaten Artikel zur 4-Prozent-Regel. Bei 4 % Entnahmerate brauchst du das 25-fache deiner jährlichen Ausgaben als Kapital, denn 1 ÷ 0,04 = 25.

Benötigtes Kapital = Jährliche Ausgaben × 25 Beispiel: 30.000 € Jahresausgaben × 25 = 750.000 € Zielkapital

Das liefert eine grobe Hausnummer. Für eine seriöse Planung reicht diese eine Zahl aber nicht. Die Grenzen zeigt Kapitel 4.

Die Entnahmerate ist letztlich eine Risikogröße: Wie viel kannst du deinem Kapital jedes Jahr entnehmen, ohne es langfristig zu gefährden? Dieselbe Grundfrage, wie viel Risiko bei einer bekannten Chance sinnvoll ist, beantwortet im Investment- und Wett-Kontext das Kelly-Kriterium.


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Warum die Formel bei uns nicht 1:1 passt

Die 25er-Faustregel stammt ursprünglich aus dem US-amerikanischen Kontext. In Deutschland verzerren mehrere Faktoren das Ergebnis:

  • Abgeltungssteuer: Kapitalerträge werden mit 25 % zzgl. Solidaritätszuschlag besteuert. Bei Aktien-ETFs greift zusätzlich eine Teilfreistellung von 30 %, die die effektive Steuerlast senkt, aber nicht auf 0.
  • Gesetzliche Rente: Wer vor Erreichen des regulären Rentenalters bereits Beitragsjahre gesammelt hat, bekommt später zusätzlich eine gesetzliche Rente. Das senkt den nötigen Kapitalstock für die Zeit danach.
  • Inflation: Die 4 %-Regel ist inflationsbereinigt gedacht, das heißt, die Entnahme steigt jedes Jahr mit der Inflation mit. Wird das bei der Planung übersehen, wirkt das Ergebnis optimistischer, als es ist.
  • Krankenversicherung: Als freiwillig gesetzlich oder privat Versicherter zahlst du die Beiträge nach FIRE komplett selbst. Sie gehören in deine „jährlichen Ausgaben".

Die Formel ist ein guter Startpunkt. Ohne diese Anpassungen unterschätzt du aber in der Regel, was du brauchst.


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Durchschnittswerte reichen nicht

Die 25er-Regel geht von einem durchschnittlichen Marktverlauf aus. Börsenrenditen schwanken von Jahr zu Jahr stark, und gerade schlechte Jahre kurz nach dem Rentenstart sind gefährlich für dein Kapital. Eine einzelne Formel kann das tatsächliche Risiko, dass das Geld nicht reicht, nicht seriös beantworten.

Mein FIRE-Rechner simuliert tausende mögliche Marktverläufe und gibt dir eine konkrete Erfolgswahrscheinlichkeit anstelle eines einzelnen Durchschnittswerts aus. Wie die Simulation funktioniert und wie du das Ergebnis interpretierst, erkläre ich im Artikel zum Pleiterisiko in der Rente.


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Einmal konkret durchgerechnet

Angenommen, deine monatlichen Ausgaben liegen bei 2.500 €, also 30.000 € im Jahr. Mit der 25er-Faustregel ergibt sich ein Zielkapital von 750.000 €. Rechnest du zusätzlich mit einer erwarteten gesetzlichen Rente von 800 € monatlich ab 67, sinkt der Kapitalbedarf für die Jahre nach Renteneintritt spürbar, weil ein Teil der Ausgaben dann bereits gedeckt ist.

Deine persönliche Zahl hängt von den Ausgaben, Rentenansprüchen, Steuerklasse und dem geplanten Alter beim Ausstieg ab. Eine pauschale Zahl für „alle" gibt es nicht.


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Deine eigene Zahl ermitteln

Du kannst deine persönliche FIRE-Zahl direkt mit meinem Rechner ermitteln. Er berücksichtigt Sparphase, Entnahmerate und deutsche Steuern, simuliert mögliche Marktverläufe und liefert eine konkrete Erfolgswahrscheinlichkeit.


Deine FIRE-Zahl beginnt mit einem ehrlichen Jahresbudget

Die größte Abweichung entsteht oft nicht bei der Formel, sondern bei den Ausgaben. Monatliche Fixkosten sind leicht aufzuschreiben. Schwieriger sind Versicherungen, Reparaturen, Urlaub, Geschenke, Zahnarzt, neue Technik und alles, was nicht jeden Monat auf dem Kontoauszug steht. Wenn diese Positionen fehlen, sieht dein Zielkapital kleiner aus, als es in deinem echten Leben sein muss.

Teile dein Budget deshalb in Grundausgaben und variable Ausgaben. Grundausgaben wie Wohnen, Essen, Versicherung und Krankenversicherung müssen auch in einer schlechten Börsenphase bezahlt werden. Variable Ausgaben kannst du bei Bedarf verschieben. Diese Trennung hilft später bei einer flexiblen Entnahmestrategie und verhindert, dass ein einziger Monatswert zu viel Sicherheit vorgaukelt.

Jahresausgaben = monatliche Ausgaben × 12 + unregelmäßige Jahresausgaben Beispiel: 2.500 € × 12 + 3.000 € für Urlaub, Reparaturen und Versicherungen = 33.000 € pro Jahr

Deine Zielzahl kann sich im Leben verändern

FIRE ist nicht zwingend ein einzelner Tag, an dem jedes Arbeitseinkommen auf null fällt. Vielleicht arbeitest du zunächst weniger, verdienst nebenbei Geld oder bekommst später eine gesetzliche Rente. Dann muss dein Depot nicht in jedem Lebensjahr denselben Betrag tragen.

Rechne deshalb mit Zeitabschnitten. Für die Jahre bis zu einer möglichen Rente brauchst du einen größeren eigenen Kapitalstock. Danach kann die gesetzliche Rente einen Teil der Grundausgaben abdecken. Gleichzeitig können Krankenversicherung, Miete und Lebensstil anders aussehen als heute. Eine einmal berechnete FIRE-Zahl bleibt nur dann brauchbar, wenn du die zugrunde liegenden Ausgaben regelmäßig aktualisierst.

  • Vor dem Ausstieg: Wie viele Jahre musst du aus dem Depot überbrücken?
  • Während der Entnahme: Welche Grundausgaben müssen sicher gedeckt sein?
  • Ab späteren Einnahmen: Welche Kosten fallen dann noch aus dem Depot an?

Eine Zielzahl ist erst gut, wenn sie schlechte Jahre übersteht

Mit 750.000 € kannst du bei einer 4-Prozent-Faustregel 30.000 € als erste Jahresentnahme rechnen. Das sagt aber noch nicht, wie sich dein Depot bei einem schlechten Start entwickelt. Wenn die ersten Jahre nach dem Ausstieg schwach sind, verkaufst du Anteile zu niedrigeren Kursen und entnimmst trotzdem Geld. Genau dieses Reihenfolgerisiko macht eine Simulation sinnvoll.

Teste deshalb nicht nur die Zielzahl, sondern auch drei Varianten: höhere Ausgaben, eine niedrigere Entnahmerate und einen späteren Ausstieg. Wenn du bei einer kleinen Änderung sofort aus einem stabilen Plan in ein Scheitern rutschst, ist der Puffer zu klein. Dann kannst du mehr sparen, den Ausstieg verschieben oder einen Teil der Ausgaben flexibel machen.

Mein Vorgehen: Erst mit der 25er-Regel eine Hausnummer berechnen, danach Steuern, Versicherung, Rentenansprüche und mögliche Marktverläufe einbauen. Die Faustregel eröffnet die Rechnung. Sie beendet sie nicht.

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