Assetklassen & Risiko

Assetklassen vergleichen:
Rendite, Risiko und Backtests verstehen

Der Assetklassen-Backtester stellt S&P 500, Bitcoin und Gold auf dieselbe Euro-Basis. Dieser Leitfaden erklärt, welche Daten dahinterstehen, wie die Kennzahlen berechnet werden und an welchen Stellen ein historischer Vergleich leicht zu viel verspricht.

Simon Stark | Veröffentlicht 08. August 2026 | ca. 15 Min. Lesezeit

01

Was wäre aus demselben Startkapital geworden?

Drei Kurscharts nebeneinander beantworten wenig. Der S&P 500 steht in Indexpunkten, Bitcoin in einer Währung je Coin und Gold in diesem Projekt als Kurs einer GLD-Aktie. Ihre absoluten Werte sind nicht vergleichbar. Der Backtester setzt deshalb jede Reihe am gewählten Starttag auf dasselbe Startkapital und verfolgt anschließend, wie sich dieser Betrag entwickelt hätte.

Du wählst Zeitraum, Anlageklassen und Startbetrag. Das Ergebnis zeigt historische Pfade, Endwerte und Risikokennzahlen. Es enthält keine Kaufempfehlung und keine Prognose. Die sinnvolle Frage lautet: Wie unterschiedlich verliefen Rendite und Risiko unter denselben zeitlichen Bedingungen?

Warum das nützlich ist: Eine Anlageklasse kann am Ende vorne liegen und zwischendurch trotzdem einen Verlust erlebt haben, den du praktisch kaum ausgehalten hättest. Endwert, Schwankung und Drawdown gehören deshalb zusammen.

02

Gleicher Zeitraum, gleiche Währung, gleiches Kapital

Ein fairer historischer Vergleich braucht drei gemeinsame Nenner. Erstens beginnen alle ausgewählten Reihen am selben Kalendertag. Zweitens rechnet der Backtester sämtliche Werte in Euro. Drittens startet jede Reihe mit demselben Betrag. So stammt der Unterschied im Endwert aus der jeweiligen Kursentwicklung und nicht aus verschiedenen Einheiten.

Portfoliowert(t) = Startkapital × Wert(t) / Wert(Start) Der Backtester kauft rechnerisch Bruchstücke der jeweiligen Anlageklasse. Ein reales Depot, Gebühren oder Steuern werden dabei nicht simuliert.

Der Startwert ist die letzte echte Beobachtung am oder vor dem gewählten Startdatum. Das ist vor allem an Wochenenden und Feiertagen relevant. Beginnt dein Zeitraum an einem Sonntag, verwendet eine börsengehandelte Reihe normalerweise den Schlusswert vom Freitag. Bitcoin kann dagegen auch am Wochenende einen echten Tageswert haben.


03

Was hier genau miteinander verglichen wird

Namen wie „S&P 500“ oder „Gold“ klingen eindeutiger, als sie sind. Ein Preisindex, ein ETF, ein Spotpreis und ein Total-Return-Index können sich sichtbar unterscheiden. Das Projekt legt deshalb für jede Anlageklasse eine konkrete Reihe fest und zeigt diese Definition direkt im Dashboard.

AnlageklasseReihe im BacktesterWährungswegWas du beachten musst
S&P 500FRED-Reihe SP500, täglicher Schlussstand des PreisindexUSD-Wert geteilt durch USD je EUR der EZBDer Preisindex enthält keine Dividenden. Er entspricht deshalb nicht der Gesamtrendite eines thesaurierenden S&P-500-Fonds.
BitcoinZehnjährige BTC/USD-Historie aus Minutenwerten, laufend BTC/EUR über CoinGeckoHistorie über EZB-Kurse umgerechnet, laufende Werte direkt in EURAm 03.08.2026 wechselt die Datenquelle. Dieser Wechsel ist in der Methodik offengelegt.
GoldSPDR Gold Shares (GLD), historisch aus dem SPDR-Archiv und laufend über Alpha VantageUSD-Schlusskurs geteilt durch USD je EUR der EZBGLD bildet Goldbarren abzüglich Fondskosten ab. Der Börsenkurs ist kein reiner Gold-Spotpreis.

Diese Festlegung macht das Ergebnis reproduzierbar. Sie begrenzt aber auch seine Aussage. Wer einen Total-Return-Index, einen anderen Gold-ETC oder einen einzelnen Bitcoin-Handelsplatz erwartet, vergleicht eine andere Reihe.


04

Vom Anbieter bis zur Kurve im Browser

Die Website rechnet nicht bei jedem Seitenaufruf direkt mit fremden APIs. Ein täglicher Prozess holt neue Werte, prüft sie und speichert sie in MySQL. Der öffentliche Backtest liest anschließend aus dieser eigenen Historie. Das hält Ergebnisse reproduzierbar und verhindert, dass ein kurzfristiger Ausfall eines Datenanbieters die komplette Seite unbrauchbar macht.

  1. Abrufen: FRED liefert SP500, Alpha Vantage den GLD-Schlusskurs, CoinGecko den laufenden Bitcoin-Wert und die EZB den USD/EUR-Referenzkurs.
  2. Normieren: Jeder Datenpunkt erhält Datum, Rohwert, Rohwährung, Quellenrevision und Qualitätsstatus.
  3. In Euro umrechnen: USD-Reihen werden durch den EZB-Kurs „USD je EUR“ desselben Tages geteilt. Fehlt an einem Börsentag ein neuer EZB-Kurs, gilt der zuletzt zuvor veröffentlichte Referenzkurs.
  4. Validieren: Ungültige Werte, doppelte Tage, falsche Währungen und unerwartete Sprünge werden abgewiesen oder gekennzeichnet.
  5. Speichern: Ein Upsert ergänzt neue Tage und markiert nachträglich veränderte Werte als Revision. Sperren verhindern parallele Schreibläufe.
  6. Berechnen: Die API baut für den angefragten Zeitraum die gemeinsame Kalenderachse, normiert das Startkapital und berechnet alle Kennzahlen.
Nachvollziehbarkeit in der Datenbank: Neben dem Euro-Wert bleiben Rohwert, Rohwährung, verwendeter Wechselkurs und FX-Datum erhalten. Eine spätere Kontrolle kann dadurch den Rechenweg eines einzelnen Tages rekonstruieren.

05

Warum eine glatte Kalenderachse keine erfundenen Kurse braucht

Börsen schließen an Wochenenden und Feiertagen. Bitcoin handelt durchgehend. Würde das Diagramm nur echte Datenpunkte zeigen, lägen die drei Reihen auf unterschiedlichen Datumsachsen. Der Backtester führt deshalb für die Darstellung den letzten bekannten Wert fort. In der Datenbank entsteht dabei kein künstlicher Kurs.

Für die neuen Risikokennzahlen ist diese Trennung nötig. Fortgeschriebene Tage zählen dort nicht als zusätzliche Tage mit 0 % Rendite. Die Volatilität von S&P 500 oder Gold würde sonst allein durch Wochenenden niedriger erscheinen. Bester Tag, schwächster Tag, positive Tage und Sharpe-Wert verwenden nur Änderungen zwischen echten Beobachtungen.

Ein Detail beim Lesen: Die Veränderung vom Freitag zum Montag gilt als eine beobachtete Tagesänderung. Sie kann Informationen aus dem gesamten Wochenende enthalten. Der Backtester zerlegt sie nicht künstlich auf Samstag, Sonntag und Montag.

06

Was Endwert, Rendite und CAGR aussagen

Der Endwert übersetzt die Kursbewegung in einen Betrag. Aus 10.000 € werden beispielsweise 14.000 €, wenn die Reihe im gewählten Zeitraum um 40 % steigt. Gewinn oder Verlust ist dieselbe Information als Euro-Differenz. Beide hängen vom eingestellten Startkapital ab.

Gesamtrendite = Schlusswert / Startwert − 1 Die Gesamtrendite beschreibt die gesamte Veränderung zwischen Beginn und Ende. Sie sagt nicht, wie ruhig oder unruhig der Weg war.

Die CAGR rechnet die Gesamtentwicklung auf eine konstante Jahresrate um. Zwei unterschiedlich lange Zeiträume lassen sich damit leichter einordnen. Der Backtester verwendet die tatsächliche Zahl der Kalendertage und teilt sie durch 365,2425. Bei kurzen Zeiträumen kann diese Hochrechnung extrem wirken. Eine starke Woche ist noch keine belastbare Jahresrendite.

CAGR = (Schlusswert / Startwert)1 / Jahre − 1 Die CAGR ist eine geglättete Rate. Sie behauptet nicht, dass das Vermögen in jedem einzelnen Jahr genau so gewachsen ist.

07

Volatilität, Drawdown, Sharpe und Calmar

Risiko hat mehrere Seiten. Volatilität misst die Streuung der beobachteten Tagesrenditen. Der maximale Drawdown misst den tiefsten Verlust vom jeweils vorherigen Höchststand. Sharpe und Calmar setzen Rendite zu einem dieser Risikomaße ins Verhältnis. Keine einzelne Zahl ersetzt die anderen.

Volatilität p.a.

Der Backtester berechnet die Stichproben-Standardabweichung der echten Tagesrenditen und annualisiert sie. Er verwendet 252 Perioden für S&P 500 und Gold sowie 365,2425 für Bitcoin.

σJahr = σTag × √N

Maximaler Drawdown

Der stärkste prozentuale Rückgang von einem bisherigen Hoch zu einem späteren Tief. Ein Drawdown von −50 % braucht anschließend +100 %, um wieder den Ausgangswert zu erreichen.

Drawdown(t) = Wert(t) / bisheriges Hoch − 1

Sharpe-Wert (0 %)

Durchschnittliche Tagesrendite geteilt durch ihre Standardabweichung, anschließend annualisiert. Der Backtester setzt den risikofreien Zins bewusst auf 0 %. Werte aus anderen Quellen können eine andere Basis verwenden.

Sharpe = Ø Tagesrendite / σTag × √N

Calmar-Verhältnis

CAGR geteilt durch den Betrag des maximalen Drawdowns. Die Kennzahl belohnt hohe annualisierte Rendite bei kleinerem historischen Einbruch. Ohne Drawdown wird kein Wert ausgegeben.

Calmar = CAGR / |max. Drawdown|

Bester und schwächster Tag

Die größte positive und negative Veränderung zwischen zwei echten Beobachtungen, jeweils mit Datum. Ausreißer werden damit sichtbar, auch wenn der Endwert harmlos aussieht.

r(t) = Wert(t) / Wert(t−1) − 1

Positive Tage

Der Anteil beobachteter Tagesänderungen über 0 %. Eine hohe Quote kann mit kleinen Gewinnen und wenigen großen Verlusten einhergehen. Die Kennzahl braucht deshalb den schwächsten Tag und den Drawdown als Gegenstück.

positive Änderungen / alle Änderungen

Sharpe- und Calmar-Werte werden im Dashboard ohne Gütesiegel dargestellt. „Höher“ ist innerhalb derselben Methodik meist günstiger, aber kurze Zeiträume, Ausreißer und unterschiedliche Renditeverteilungen können beide Kennzahlen stark verschieben.


08

Eine hohe Rendite reicht für den Vergleich nicht

Angenommen, Reihe A erreicht 12 % CAGR bei 16 % Volatilität und −25 % maximalem Drawdown. Reihe B erreicht 18 % CAGR bei 60 % Volatilität und −70 % Drawdown. Reihe B war im Rückblick ertragreicher. Sie verlangte aber deutlich mehr Geduld, Risikotoleranz und Vertrauen in eine spätere Erholung.

Der Sharpe-Wert hilft bei der Frage, wie viel durchschnittliche Rendite für die laufende Schwankung erzielt wurde. Calmar richtet den Blick stärker auf den schlimmsten historischen Einbruch. Bester und schwächster Tag zeigen, ob einzelne Sprünge einen großen Teil des Ergebnisses tragen. Der Anteil positiver Tage beschreibt, wie häufig der Pfad überhaupt nach oben ging.

  • Endwert und Gesamtrendite beantworten, was im gewählten Fenster herauskam.
  • CAGR macht verschieden lange Zeiträume grob vergleichbar.
  • Volatilität beschreibt die laufende Unruhe der echten Tagesänderungen.
  • Maximaler Drawdown zeigt den härtesten historischen Belastungstest innerhalb des Fensters.
  • Sharpe und Calmar verbinden Rendite mit zwei unterschiedlichen Risikoperspektiven.
Praktische Lesereihenfolge: Prüfe zuerst Zeitraum und Datenreihe, dann Drawdown und Volatilität, danach Rendite und Verhältniszahlen. So entscheidet nicht der größte Endwert allein über deinen Eindruck.

09

Was der Backtest bewusst nicht abbildet

Der Rechner beantwortet eine klar abgegrenzte historische Frage. Sobald du daraus eine reale Anlagestrategie ableitest, fehlen mehrere Faktoren. Einige würden das Ergebnis senken, andere verändern die Vergleichsbasis.

  • Keine Kosten und Steuern: Kaufkosten, Spreads, Depotentgelte, Steuern und persönliche Freibeträge fehlen.
  • Keine Inflation: Sämtliche Werte sind nominal. Ein Euro am Ende des Zeitraums hat nicht dieselbe Kaufkraft wie ein Euro am Anfang.
  • Keine Dividenden im S&P 500: Die FRED-Reihe SP500 ist ein Preisindex. Ausschüttungen und deren Wiederanlage fehlen.
  • Gold über GLD: Der Backtester verwendet einen börsengehandelten Gold-Proxy. Fondskosten und Abweichungen zum Spotpreis stecken in dieser Reihe.
  • Einmalanlage statt Sparplan: Einzahlungen, Entnahmen und Rebalancing werden nicht simuliert.
  • Kein Portfolioeffekt: Die Anlageklassen laufen getrennt. Korrelationen und die Wirkung einer Mischung werden noch nicht berechnet.
  • Währungswirkung bleibt enthalten: Ein deutscher Anleger erlebt neben der USD-Kursbewegung auch Veränderungen des USD/EUR-Kurses. Das ist Absicht, kann aber vom Ergebnis in US-Dollar abweichen.
  • Historisches Fenster: Ein anderer Starttag kann Rangfolge, Drawdown und risikobereinigte Kennzahlen deutlich verändern.

Auch ein Zehnjahresfenster bleibt ein einzelner Ausschnitt. Der Backtester zeigt deshalb mehrere feste Zeiträume und erlaubt einen individuellen Bereich.


10

So bekommst du aus dem Vergleich brauchbare Antworten

  1. Beginne mit „Max“: Dadurch startet der Vergleich am spätesten gemeinsamen Datenbeginn und vermeidet unterschiedliche Historien.
  2. Wechsle danach die Fenster: Vergleiche 1 Jahr, 3 Jahre, 5 Jahre und 10 Jahre. Eine Rangfolge, die bei jedem Fenster gleich bleibt, ist aussagekräftiger als ein einzelner Sieg.
  3. Prüfe den Datenstand: Der letzte echte Wert zeigt, ob ein Wochenende, Feiertag oder fehlgeschlagener Abruf am Ende fortgeführt wurde.
  4. Lies Risiko vor Rendite: Maximaler Drawdown, schwächster Tag und Volatilität geben dir eine Vorstellung davon, was zwischen Start und Ende passiert ist.
  5. Vergleiche Kennzahlen nur auf derselben Basis: Der Sharpe-Wert dieses Projekts verwendet 0 % risikofreien Zins. Eine Kennzahl aus einem Fondsbericht kann anders berechnet sein.
  6. Formuliere eine engere Folgefrage: Soll Dividendenwiederanlage hinein? Möchtest du reale Inflation, Sparraten oder eine Mischung der Anlageklassen sehen? Dann brauchst du ein erweitertes Modell.

Nutze den Rechner vor allem, um Annahmen zu prüfen. Er zeigt schnell, ob eine Aussage wie „Asset X war klar besser“ nur für einen günstigen Startpunkt gilt oder auch unter anderen Zeitfenstern Bestand hat.


Den Vergleich mit einem eigenen Zeitraum prüfen

Wähle S&P 500, Bitcoin und Gold, ändere Startkapital und Zeitraum und lies Rendite- und Risikokennzahlen gemeinsam.


11

Woher Daten und Methodik stammen

Die öffentliche Methodik des Dashboards nennt Quelle, Symbol, Währung und Datenstand für jede Reihe. Die folgenden Primärquellen dokumentieren die verwendeten Endpunkte und Definitionen. Schriftliche Nutzungsrechte für die importierten historischen Dateien werden getrennt vom Webroot aufbewahrt.


Weiterlesen

Verwandte Artikel