FIRE-Grundlagen
Die Frage klingt einfach, hat aber keine pauschale Antwort. In diesem Artikel zeige ich dir die Formel, mit der du deine persönliche FIRE-Zahl grob berechnest, warum sie in Deutschland angepasst werden muss und wo ihre Grenzen liegen.
Die Grundfrage
Finanzielle Unabhängigkeit (FIRE, „Financial Independence, Retire Early") bedeutet: Dein angelegtes Vermögen wirft genug Ertrag ab, um deine Lebenshaltungskosten dauerhaft zu decken, ohne dass du noch arbeiten musst. Die entscheidende Zahl ist dabei nicht dein Gehalt, sondern deine jährlichen Ausgaben. Wer wenig ausgibt, braucht weniger Kapital, um unabhängig zu sein, unabhängig davon, wie viel er oder sie verdient.
Deshalb ist FIRE im Kern eine Rechnung mit zwei Variablen: deinen jährlichen Ausgaben und der Entnahmerate, also dem Anteil deines Vermögens, den du dir jedes Jahr auszahlen kannst, ohne dass es aufgebraucht wird.
Die Kernformel
Die gängigste Faustformel basiert auf einer Entnahmerate von 4 % pro Jahr — dazu gleich mehr in meinem separaten Artikel zur 4-Prozent-Regel. Bei 4 % Entnahmerate brauchst du das 25-fache deiner jährlichen Ausgaben als Kapital, denn 1 ÷ 0,04 = 25.
Das ist der schnellste Weg zu einer groben Hausnummer. Für eine seriöse Planung reicht diese eine Zahl aber nicht — dazu kommen wir in Kapitel 4.
Die Entnahmerate ist letztlich eine Risikogröße: Wie viel kannst du deinem Kapital jedes Jahr entnehmen, ohne es langfristig zu gefährden? Dieselbe Grundfrage, wie viel Risiko bei einer bekannten Chance sinnvoll ist, beantwortet im Investment- und Wett-Kontext das Kelly-Kriterium.
Deutsche Besonderheiten
Die 25er-Faustregel stammt ursprünglich aus dem US-amerikanischen Kontext. In Deutschland verzerren mehrere Faktoren das Ergebnis:
Kurz gesagt: Die Formel ist ein guter Startpunkt, aber ohne diese Anpassungen unterschätzt sie in der Regel, was du wirklich brauchst.
Die Grenze der Faustregel
Die 25er-Regel geht von einem durchschnittlichen Marktverlauf aus. In der Realität schwanken Börsenrenditen aber von Jahr zu Jahr stark, und gerade schlechte Jahre kurz nach dem Rentenstart sind gefährlich für dein Kapital. Diese Frage — wie hoch das tatsächliche Risiko ist, dass das Geld nicht reicht — lässt sich mit einer einzelnen Formel nicht seriös beantworten.
Genau deshalb rechnet mein FIRE-Rechner nicht nur mit einem Durchschnittswert, sondern simuliert tausende mögliche Marktverläufe und gibt dir eine konkrete Erfolgswahrscheinlichkeit aus. Wie das genau funktioniert und wie du das Ergebnis interpretierst, erkläre ich im Detail im Artikel zum Pleiterisiko in der Rente.
Rechenbeispiel
Angenommen, deine monatlichen Ausgaben liegen bei 2.500 €, also 30.000 € im Jahr. Mit der 25er-Faustregel ergibt sich ein Zielkapital von 750.000 €. Rechnest du zusätzlich mit einer erwarteten gesetzlichen Rente von 800 € monatlich ab 67, sinkt der Kapitalbedarf für die Jahre nach Renteneintritt spürbar, weil ein Teil der Ausgaben dann bereits gedeckt ist.
Das zeigt: Deine persönliche Zahl hängt nicht nur von den Ausgaben ab, sondern auch von Rentenansprüchen, Steuerklasse und geplantem Alter beim Ausstieg. Eine pauschale Zahl für „alle" gibt es nicht.
Nächster Schritt
Statt die Formel per Hand mit allen Anpassungen durchzurechnen, kannst du deine persönliche FIRE-Zahl direkt mit meinem Rechner ermitteln. Er berücksichtigt Sparphase, Entnahmerate, deutsche Steuern und rechnet mit einer Monte-Carlo-Simulation, damit du nicht nur einen Durchschnittswert, sondern eine echte Erfolgswahrscheinlichkeit siehst.
Sparphase, Entnahmerate und Steuern eingeben und deine persönliche Erfolgswahrscheinlichkeit sehen.
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