FIRE-Grundlagen

Die 4-Prozent-Regel
einfach erklärt

Die 4-Prozent-Regel ist die bekannteste Faustformel der FIRE-Bewegung. Hier erfährst du, woher sie kommt, wie sie funktioniert und warum sie allein kein verlässliches Sicherheitsversprechen ist.

Simon Stark · Aktualisiert 03. Juli 2026 · ca. 5 Min. Lesezeit

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Woher die Regel eigentlich kommt

Die 4-Prozent-Regel geht auf die sogenannte Trinity Study aus dem Jahr 1998 zurück, eine Untersuchung dreier US-Finanzprofessoren, sowie auf frühere Arbeiten des Finanzberaters William Bengen. Beide analysierten historische US-Börsendaten und untersuchten, welche jährliche Entnahmerate ein Portfolio über 30 Jahre hinweg durchhalten konnte, ohne aufgebraucht zu werden. Das Ergebnis: Eine Entnahmerate von rund 4 % pro Jahr hätte in den meisten historischen Zeiträumen funktioniert.


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Wie die Regel angewendet wird

Im ersten Jahr entnimmst du 4 % deines Startkapitals. In jedem Folgejahr passt du den Betrag um die Inflation an, damit deine Kaufkraft konstant bleibt — unabhängig davon, wie sich das Depot in der Zwischenzeit entwickelt hat.

Jährliche Entnahme (Jahr 1) = Startkapital × 4 % Beispiel: 750.000 € × 4 % = 30.000 € im ersten Jahr, danach jährlich inflationsangepasst

Umgekehrt gerechnet ergibt sich daraus die bekannte Kapitalfaustregel: Jahresausgaben × 25 = benötigtes Vermögen. Mehr dazu und ein vollständiges Rechenbeispiel findest du im Artikel Wie viel Geld brauche ich für finanzielle Unabhängigkeit?


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Warum 4 % nicht automatisch sicher ist

Die Trinity Study basiert auf historischen US-Daten aus dem 20. Jahrhundert — vergangene Renditen sind aber keine Garantie für die Zukunft. Zwei Punkte sind besonders wichtig:

  • Sequence-of-Returns-Risiko: Nicht die durchschnittliche Rendite über 30 Jahre entscheidet, sondern die Reihenfolge der Renditen. Ein Crash in den ersten Jahren nach dem Renteneintritt schadet einem Portfolio deutlich mehr als derselbe Crash zehn Jahre später, weil zu diesem Zeitpunkt bereits Kapital entnommen wurde.
  • Deutsche Steuern: Die Originalstudie rechnet ohne Kapitalertragssteuer. In Deutschland mindert die Abgeltungssteuer die tatsächlich verfügbare Entnahme, die 4 % brutto sind also nicht 4 % netto.

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Ein Daumenwert, kein Naturgesetz

Die 4-Prozent-Regel ist ein guter erster Anhaltspunkt, aber ein statischer Wert kann individuelle Risiken nicht abbilden. Sie sagt dir nicht, wie wahrscheinlich es in deinem konkreten Fall ist, dass dein Kapital reicht — nur, dass es historisch im Schnitt funktioniert hätte.

Wer das genauer wissen will, muss statt einer einzelnen Zahl viele mögliche Marktverläufe durchspielen. Wie das funktioniert und wie du dein persönliches Risiko einschätzt, erkläre ich im Artikel Pleiterisiko in der Rente.


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