Die Startansicht mit den wichtigsten Kennzahlen auf einen Blick
Über das Projekt
Warum ich das gebaut habe
Angefangen hat alles mit einer ziemlich langweiligen Excel-Tabelle, in der ich Sparrate, Rendite und Jahre gegeneinander verrechnet habe, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wann ich eigentlich aufhören könnte, für Geld arbeiten zu müssen. Das Problem war, dass jede Änderung ein neuer Rechenschritt war und ich nie so richtig gesehen habe, wie sich die einzelnen Stellschrauben gegenseitig beeinflussen.
Also habe ich mir überlegt, das Ganze als kleine Web-App zu bauen, bei der jeder Regler sofort etwas verändert – die Charts, die Tabelle, die Steuerlast, sogar die Wahrscheinlichkeit, dass mir das Geld am Ende doch ausgeht. Je tiefer ich reingegangen bin, desto klarer wurde mir, dass die berühmte 4 %-Regel allein zu wenig erzählt. Ohne eine Vorstellung von Streuung und ohne die deutsche Steuer mitzurechnen, wirkt jede FIRE-Zahl deutlich sicherer, als sie eigentlich ist.
Features
Was der Rechner kann
- Sparphase mit echtem Zinseszins — Startkapital, monatliche Sparrate, erwartete Rendite, ETF-Kosten und Inflation fließen getrennt ein, sodass am Ende die reale Kaufkraft sichtbar wird und nicht nur eine schöne, aber irreführende Bruttozahl.
- FIRE-Ziel & 4 %-Regel — Das Zielkapital ergibt sich aus der Wunschentnahme geteilt durch die Entnahmerate. Die Rate lässt sich frei verstellen, um zu sehen, wie stark sie das nötige Kapital und das Risiko verschiebt.
- Entnahmephase in drei Szenarien — Optimistisch, realistisch und pessimistisch laufen parallel im selben Chart, inklusive Inflationsanpassung der Entnahme und einem sauberen Ende, falls ein Szenario tatsächlich leerläuft.
- Deutsche Steuer bis ins Detail — Abgeltungssteuer, Soli und Kirchensteuer, dazu Sparerpauschbetrag und Teilfreistellung je nach Fondstyp im Experten-Modus. Genau der Teil, den die meisten FIRE-Rechner einfach weglassen.
- Monte-Carlo-Simulation — Statt eines einzelnen glatten Verlaufs würfelt der Rechner hunderte mögliche Zukünfte mit einstellbarer Volatilität und zeigt die Bandbreite als P10/P50/P90-Fächer, inklusive Pleiterisiko in Prozent.
- Live-Charts & Jahrestabelle — Wachstum, Entnahme und Simulation als interaktive Charts, dazu eine Jahr-für-Jahr-Tabelle. Jeder Regler wirkt sofort, ganz ohne Neuladen.
Screenshots
Einblicke in den Rechner
Links: Kapitalverlauf über Spar- und Entnahmephase · Rechts: Monte-Carlo-Fächer mit Pleiterisiko
Technisches
Wie es unter der Haube funktioniert
Der Rechner ist bewusst ohne Backend gebaut. Alles, was eingegeben wird, landet direkt in JavaScript-Variablen, und bei jeder Änderung eines Reglers wird die komplette Projektion neu berechnet – Monat für Monat für die Sparphase, Jahr für Jahr für die Entnahmephase. Für die Darstellung übernimmt Chart.js die Wachstums-, Entnahme- und Simulationscharts, während Design und Farben aus demselben Design-System stammen wie meine anderen Projekte (dunkler Hintergrund, Grün und Violett als Akzente).
Die Monte-Carlo-Simulation zieht pro Durchlauf und Jahr eine zufällige Rendite, die um die eingestellte Erwartung herum streut, und wiederholt das je nach gewählter Anzahl an Simulationen mehrere hundert Mal. Damit die Charts nicht bei jedem Reglerklick unruhig flackern, nutzt die Zufallsziehung einen festen Seed – erst ein bewusster Klick auf den Chart würfelt neu.
Die Steuerberechnung läuft am FIRE-Zeitpunkt einmal komplett durch: Bruttogewinn, Teilfreistellung nach Fondstyp, Sparerpauschbetrag, und darauf Abgeltungssteuer, Soli und optional Kirchensteuer. Im Experten-Modus lässt sich das Portfolio zusätzlich aus mehreren Fondstypen mischen, die dann gewichtet nach ihrer jeweiligen Teilfreistellung versteuert werden.
Rückblick
Was ich dabei gelernt habe
Am meisten hat mich überrascht, wie sehr sich das Bild ändert, sobald man von einer einzelnen, glatten Renditeannahme zu echter Streuung wechselt. Neun Prozent Bruttorendite klingen erstmal komfortabel, aber nach Inflation, Kosten und dem sogenannten Volatilitäts-Drag bleibt real deutlich weniger übrig, als die meisten Faustformeln suggerieren. Das hat mir gezeigt, wie wichtig der Unterschied zwischen einem deterministischen Modell und einer stochastischen Simulation wirklich ist.
Beim Steuerteil habe ich gemerkt, wie kleinteilig das deutsche Kapitalertragsteuerrecht tatsächlich ist – Teilfreistellung, Sparerpauschbetrag, Soli und Kirchensteuer greifen alle an unterschiedlichen Stellen ineinander, und die exakt richtige Reihenfolge der Berechnung war komplizierter, als ich anfangs gedacht hätte.
Und auf der UI-Seite habe ich gelernt, wie schwierig es ist, Unsicherheit verständlich darzustellen, ohne die Person vor dem Bildschirm zu erschlagen. Ein Perzentil-Fächer und eine simple Pleiterisiko-Prozentzahl kommunizieren am Ende deutlich mehr als jede einzelne Zahl für sich – man muss nur die richtige Balance zwischen Klarheit und Tiefe finden.